Soll- und Ist-Besteuerung einfach erklärt

Soll- und Ist-Besteuerung einfach erklärtSoll- und Ist-Besteuerung einfach erklärt: Diese beiden Begriffe spielen eine zentrale Rolle im Steuerrecht und bestimmen, wann Steuern entstehen und abgeführt werden müssen. Besonders in der Praxis ist die Unterscheidung wichtig, da sie direkten Einfluss auf Liquidität und Buchhaltung hat.

Was bedeutet Soll- und Ist-Besteuerung?

Die Besteuerungsart legt fest, wann Einnahmen steuerlich berücksichtigt werden.

  • Soll-Besteuerung: Steuer entsteht bereits mit der Rechnungsstellung
  • Ist-Besteuerung: Steuer entsteht erst mit dem Zahlungseingang

Diese Unterscheidung ist vor allem bei der Umsatzsteuer relevant.

Soll-Besteuerung (Umsatzsteuer)

Hier müssen Sie die Umsatzsteuer bereits dann an das Finanzamt abführen, wenn Sie eine Rechnung erstellt haben – unabhängig davon, ob der Kunde schon bezahlt hat.

Typisch ist diese Besteuerungsart für:

  • größere Unternehmen
  • Bilanzierungspflichtige Betriebe

Nachteil:

  • Umsatzsteuer muss ggf. vorfinanziert werden

Ist-Besteuerung (Umsatzsteuer)

Hier hingegen wird die Umsatzsteuer erst dann fällig, wenn der Kunde tatsächlich bezahlt hat.

Vorteile:

  • bessere Liquidität
  • keine Vorfinanzierung der Umsatzsteuer

Voraussetzung:

  • Antrag beim Finanzamt
  • Umsatzgrenze beachten

Diese Methode ist besonders für kleinere Unternehmen geeignet.

Unterschied zur Einkommensteuer

Auch bei der Einkommensteuer gibt es ein ähnliches Prinzip.

Bei der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) gilt das sogenannte Zufluss- und Abflussprinzip:

  • Einnahmen werden bei Zahlung erfasst
  • Ausgaben werden bei Zahlung berücksichtigt

Bei der Bilanzierung hingegen erfolgt die Erfassung unabhängig vom Zahlungszeitpunkt.

Zusammenhang mit der Buchhaltung

Die Besteuerungsart beeinflusst direkt die Buchhaltung.

  • Bei der Soll-Besteuerung entstehen Forderungen, bevor Zahlungen eingehen
  • Bei der Ist-Besteuerung erfolgt die steuerliche Erfassung erst bei Zahlung

Mehr dazu im Beitrag Forderungen und Verbindlichkeiten.

Praxis-Tipp

Prüfen Sie regelmäßig, welche Besteuerungsart für Ihr Unternehmen sinnvoll ist. Gerade bei langen Zahlungszielen kann die Ist-Besteuerung deutliche Liquiditätsvorteile bringen.

Schreiben Sie einen Kommentar